Auf Konfrontationskurs

Allergien: Schon in der Schwangerschaft vorbeugen

Wie schütze ich mein Kind vor Asthma & Co.? Das beste Rezept: Ruhe bewahren und schon während der Schwangerschaft die Basis für ein fittes Immunsystem des Babys legen.

 

Muss der innig geliebte Hund ausziehen? Sollte ich Kuhmilch besser meiden? Viele schwangere Frauen fragen sich, wie sie ihr Kind von Beginn an vor Allergien schützen können. Mythen und gut gemeinte Ratschläge verunsichern so manche Mutter in spe. Doch Experten raten zu mehr Gelassenheit

 

Eine Frage des Grades

Triefende Nasen oder juckende Augen: Bei einer Allergie reagiert der Körper überempfindlich auf harmlose Stoffe aus der Umwelt – man könnte diese Abwehr auch als einen „Fehlalarm“ des Immunsystems bezeichnen. Ob ein Kind dazu neigt, eine Allergie zu entwickeln, lässt sich leicht mit einem Blick auf die Verwandtschaft feststellen. „Leiden Mutter, Vater oder Geschwisterkinder – also ausschließlich die engste Familie – an einer Unverträglichkeit, läuft auch das Ungeborene Gefahr, sich später zu sensibilisieren“, sagt die Ernährungstherapeutin Dr. Imke Reese.

 

Auftischen!

Schon während der Schwangerschaft ist es sinnvoll, sich mit dem Thema „Allergieprävention“ vertraut zu machen. „Mütter sollten aber nicht alles meiden, was eine Unverträglichkeit auslösen könnte. Viel mehr müssen sie ihr Kind von Beginn an darin unterstützen, eine normale Immunantwort, das heißt Toleranz gegenüber potentiellen Allergenen zu entwickeln“, erklärt Imke Reese. Im Klartext: Vorbeugender Verzicht ist Schnee von gestern. Stattdessen raten Wissenschaftler, das Immunsystem auf Trab zu bringen. „Der Körper muss lernen: Was ist gefährlich für mich? Das kann er nur im direkten Kontakt mit den vermeintlichen Übeltätern“, sagt die Ernährungstherapeutin. Von einer allergenarmen Diät raten sie und ihre Kollegen grundsätzlich ab – es sei denn, die werdende Mutter ist selbst Allergikerin. Der Speiseplan sollte vor allem aus frischen Zutaten bestehen und abwechslungsreich sein. „Studien legen nahe, dass Kinder, deren Mütter sich während der Schwangerschaft ausgewogen ernähren, Allergien gegenüber bestens gewappnet sind“, betont Imke Reese. Ein Spießrutenlauf um mögliche Auslöser herum führt höchstens zu einer mangelnden Nährstoffversorgung der Mutter. Gut zu wissen: Fisch hat einen vorbeugenden Effekt gegenüber Allergien.

 

Die Luft ist rein

Trotz des Konfrontationskurses in der Allergieprävention gibt es einige Risikofaktoren, die Eltern beachten sollten. Den größten haben sie selbst in der Hand: die Zigarette. Während der Schwangerschaft und Stillzeit muss die Mutter das Laster in jedem Fall ablegen – aber auch Passivrauch gilt es, zu meiden. Lediglich eine vollkommen nikotinfreie Umgebung schützt vor Allergien. Werdende Eltern sollten ihre Wohnung zudem ausreichend auf Schimmel hin überprüfen. „Eine Topfpflanze mit Schimmelbefall sollte in den Müll wandern, aber auf keinen Fall im Schlaf- oder Kinderzimmer stehen. Zusätzlich hilft lüften und ein prüfender Blick auf die Tapete“, empfiehlt Imke Reese. Aber auch beim Nestbau ist Vorsicht geboten: Lacke, Farben und neue Möbel dünsten Schadstoffe aus, die das Risiko für allergische Erkrankungen ebenfalls erhöhen. „Second-Hand-Möbel sind hier die bessere Wahl. Bei neuen Produkten und Farben lohnt es, auf Qualität zu achten“, erklärt die Ernährungstherapeutin.

 

Risiko auf vier Pfoten

Das Haustier muss weg! Diese Empfehlung haben viele Familien noch aus früheren Zeiten in schmerzhafter Erinnerung. Heute dürfen Tierbesitzer aufatmen: Es besteht offenbar kein Grund, sich wegen Hund & Co. zu sorgen. „Wir raten werdenden Eltern weder dazu, ein Felltier anzuschaffen, noch ein bereits vorhandenes abzuschaffen“, sagt Imke Reese. Allerdings leben Kinder mit erhöhtem Allergierisiko besser nicht mit einer Katze zusammen. „Die Datenlage ist hier noch sehr widersprüchlich“, erklärt die Ernährungstherapeutin.

Insgesamt mahnt sie zu mehr Gelassenheit: „Frauen sollten ihre Schwangerschaft in allererster Linie genießen. Ein gesundes Maß an Vorsicht genügt vollkommen.“ 

 

Die Milch macht’s

Muttermilch bietet den besten Allergieschutz – allerdings nur, wenn die Mutter ihr Baby in den ersten vier Lebensmonaten voll stillt. Ist das nicht möglich, sollten Eltern normale Säuglingsnahrung füttern. Lediglich für Kinder mit Allergierisiko ist eine so genannte hydrolysierte Nahrung die bessere Alternative: Sie ist weniger allergieauslösend als Kuhmilch, da die enthaltenen Eiweiße gespalten sind. Sojamilch hingegen ist tabu: Im ersten Lebenshalbjahr reagieren viele Kinder mit einer Sensibilisierung – außerdem enthält die Pflanze hormonähnliche Stoffe, deren Wirkung auf den kindlichen Organismus bislang noch nicht geklärt ist.

 

Dr. Imke Reese, Ernährungstherapeutin mit dem Schwerpunkt Allergologie, München, Autorin des Buches „Allergien vorbeugen“ (systemed Verlag).

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