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Bald geht's los
Eine Hebamme zur Vorbereitung auf die Geburt

Eine Hebamme erklärt, wie sich werdende Eltern auf die Geburt vorbereiten.

 

Wie sieht aktuell die Hebammenbetreuung rund um die Geburt aus?
Angela Goiny:
Grundsätzlich kann eine Hebamme die gesamte Schwangerschaftsvorsorge übernehmen. Nur für die drei Ultraschalluntersuchungen ist die Gynäkologie zuständig. Auch im Krankenhaus hat die Frau einen Rechtsanspruch auf eine Hebamme unter der Geburt. Weiterhin stehen einer Wöchnerin Hausbesuche in den ersten zehn Tagen nach der Geburt zu, die bei Bedarf bis zur achten Woche verlängert werden können und von der Krankenkasse bezahlt werden. Bei Problemen kann die Betreuung sogar bis zum Ende der Stillzeit andauern. Aufgrund der immens ansteigenden Kosten für die Hebammen-Haftpflichtversicherung kann es sein, dass werdende Mütter bald nicht mehr zwischen Krankenhaus-, Geburtshaus- oder Hausgeburt wählen können. Viele Hebammen können sich die Versicherung nicht mehr leisten.

Was können werdende Mütter (und ihre Männer) für sich tun, um die Schwangerschaft so angenehm wie möglich zu gestalten?
Ob und wie Paare eine Schwangerschaft als angenehm empfinden, ist individuell unterschiedlich und hängt auch von äußeren Faktoren ab, wie der Wohnsituation, finanziellen Möglichkeiten, Zufriedenheit in der Beziehung, sozialem Umfeld, beruflicher Situation. Ich empfehle als Prophylaxe, schon früh die berufliche und finanzielle Situation gründlich zu beleuchten und zu besprechen. Grundsätzlich gilt: Stress vermeiden!

Wie kann die Geburtsvorbereitung aussehen?
Es gibt viele Möglichkeiten: von wöchentlichen Kursen mit oder ohne Partner, über Wochenendkurse (sogenannte Crashkurse) bis zu spezieller Wassergymnastik, geburtsvorbereitendem Yoga oder Hypnobirthing. Es ist eine individuelle Entscheidung, bei der wir Schwangere und ihre Partner unterstützen. Auch die Entscheidung, wie und wo die Geburt stattfinden soll, sollte möglichst in der Vorbereitung getroffen werden.

Woran merkt die Schwangere, dass es nun bald losgeht?
Jede Frau wird den Geburtsbeginn etwas anders wahrnehmen. Es gibt sogenannte Vorboten der Geburt. Dazu zählen unter anderem die Senkwehen: Bei Erstgebärenden wird etwa drei bis vier Wochen vor dem errechneten Termin der Bauch immer wieder hart. Die meisten Frauen bemerken den Abgang des Schleimpfropfes, der bisher den Muttermund verschlossen hatte. Dieser Schleim enthält häufig etwas Blut, was nicht besorgniserregend ist. Die übliche Schwangerschaftsverstopfung endet und kann in leichten Durchfall umschlagen. Dazu scheiden viele Frauen in den letzten Tagen vor der Geburt größere Mengen Urin aus. Auch psychische Labilität, Schlaflosigkeit und Nestbauverhalten – wie Aufräumen und Putzen – sind typische Anzeichen für eine baldige Geburt.

Wie bereiten sich Paare mental am besten auf die Geburt vor?
Es ist wichtig, sich im Voraus zu überlegen, was sich die Gebärende wünscht und was sie vermeiden möchte. Diese Wünsche sollte sie aufschreiben und in den Mutterpass legen. So kann das geburtshilfliche Team besser auf die Bedürfnisse der Frau eingehen. Mittlerweile ist der werdende Vater fast immer bei der Geburt dabei. Allerdings sollte das Paar zuvor besprechen, ob beide das wirklich wollen. Um sich zu öffnen und sich unterstützt zu fühlen, ist für manche Gebärende eine Freundin, die Mutter oder die Schwester hilfreicher als ein unvorbereiteter Partner. Eine Geburt ist immer eine Extremsituation, und beide Partner müssen auf eine ungewohnte, überwältigende Situation gefasst sein.

Kurz zusammengefasst: Was ist im Wochenbett für eine junge Familie am wichtigsten?
Ruhe. Mein Tipp: Wer das Baby sehen möchte, gilt nicht als Besuch, der bewirtet wird, sondern als hilfreicher Gast. Hilfreich ist, wer einen Topf Suppe mitbringt, den Müll hinausträgt oder die Wäsche aufhängt. Der frisch gebackene Vater hat die Aufgabe, Familie und Freunde so lange freundlich zu vertrösten, wie seine Frau und das Kind Ruhe brauchen.
 

Unsere Expertin

Angela Goiny, kreißsaalleitende Hebamme im Sana Klinikum Offenbach

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