Nabelschnurblut Nabelschnurblut-Lexikon

In der Schwangerschaft überlegen sich viele Eltern, bei der Geburt Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ihres Babys abnehmen und einlagern zu lassen. Ein kleines Nabelschnurblut-Lexikon.

Entnahme

Der Arzt oder die Hebamme klemmt die Nabelschnur nach der Geburt zügig ab und entnimmt das Blut. Für Mutter und Kind ist das schmerzfrei. Die Mutter hat durch die Blutentnahme den kleinen Vorteil, dass sich die Plazenta anschließend besser löst. Dem Kind schadet die Entnahme nicht. Allerdings hatten Kinder, deren Nabelschnur erst später abgeklemmt wurde, in den ersten Lebensmonaten bessere Eisenwerte im Blut. Weil Frühgeborene und Mehrlinge besonders stark zu Blutarmut neigen, raten Experten dazu, deren Nabelschnur möglichst spät zu durchtrennen.

 

Kryotank

Probeentnahme aus dem eiskalten Stickstoffbehälter

In ihm werden die Stammzellen in flüssigem Stickstoff bei etwa minus 200 Grad konserviert, nachdem die Qualität mithilfe von umfangreichen Laboranalysen überprüft wurde. 

 

(Blut-)Stammzellen

Sie sind quasi die Ursprungszellen aller anderen Blutzellen. Da sie sich besonders gut teilen und dadurch selbst erneuern, können sie helfen, funktionsgestörte Zellen, Organe und Gewebe wiederherzustellen. Ihre Funktion im Organismus ist noch nicht festgelegt. Daher sind sie vielseitig einsetzbar.

 

Blutstammzelltransplantation

In der DNA sind die Erbinformationen angelegt

Bei Krankheiten des blutbildenden Systems wie zum Beispiel Leukämie kommt für einige Patienten nach einer Chemotherapie eine Knochenmark- oder Blutstammzellverpflanzung infrage. Hierfür eignet sich nicht das eigene Stammzellblut, da dieses in der Regel bereits den Erbgutfehler in sich trägt, der zu dem Krebsleiden führte.

 

Nabelschnurblut

In den Blutresten der Nabelschnur finden sich Stammzellen, die noch nicht durch Umweltgifte beeinflusst sind. Sie sind äußerst wandlungsfähig und können eine Vielzahl unterschiedlicher Zellen und Gewebe bilden, zum Beispiel Blutzellen, Haut oder Knorpelzellen. In der Wissenschaft gelten sie als vielversprechende Ressource. Forscher hoffen, eines Tages mithilfe von Stammzellen Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer oder multiple Sklerose heilen zu können. Gegenüber anderen Stammzellen haben sie den Vorteil, dass sie flexibler sind und vom Empfänger nicht so häufig abgestoßen werden.

 

Private Einlagerung

Werdende Eltern schließen mit einer Nabelschnurblutbank einen Vertrag ab. Die Kosten für Aufbereitung und Lagerung tragen sie selbst, dafür steht das Blut ausschließlich dem eigenen Kind zur Verfügung.

  • Deutsche Stammzellenbank: ab 1.890 Euro für 18 Jahre.
  • Eticur: 2.500 Euro für 25 Jahre, 400 Euro für weitere 10 Jahre. 
  • Seracell: einmalig 390 Euro und 72 Euro pro Jahr oder beispielsweise 1.380 Euro für 20 Jahre.
  • Vita 34: einmalig 1.990 Euro und 48,20 Euro pro Jahr oder beispielsweise 2.595 Euro für 25 Jahre.

 

Spende

Das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland listet öffentliche Nabel-schnurblutbanken auf, bei denen man kostenlos und anonym Nabelschnurblut spenden kann, das weltweit Kranken zur Verfügung steht: www.zkrd.de/de/nabelschnur blut/oeffentliche_nabelschnurblutbanken.php

In diesem Fall kann man selbst nicht mehr auf die Stammzellen des eigenen Kindes zugreifen. 

 

Zukunft

Die Forschung geht immer weiter, und noch weiß man nicht, welche Krankheiten möglicherweise durch den Einsatz von Stammzellen später einmal geheilt werden können. Zurzeit arbeiten Forscher daran, mit Stammzellen aus Nabelschnurblut künstliche Herzklappen zu züchten.

 

Unser Nabelschnurblut-Experte

Dr. Oliver Heine

Dr. Oliver Heine 

Chefarzt Gynäkologie & Geburtshilfe in der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek

 

Diese Mütter haben Stammzellen eingelagert

Tanja Szewczenko, Eiskunstläuferin

 

Tanja Szewczenko

Eiskunstläuferin, hat für ihre Tochter (5) Nabelschnurblut bei Seracell eingelagert 

junge familie: Warum haben Sie Stammzellen eingelagert?

Wir haben uns lange mit dem Thema Stammzelleinlagerung beschäftigt und sehen durch die Forschung große Chancen, verschiedene Erkrankungen zu heilen. Es ist ein gutes Gefühl, für unsere Tochter etwas sehr Wertvolles in Reserve zu halten, das ihr vielleicht einmal von großem Nutzen sein könnte.

Hat bei der Entnahme alles geklappt? 

Die Entnahme war völlig komplikationslos. Wir haben das Köfferchen zur Geburt mit ins Krankenhaus genommen. Die Ärzte wussten, was zu tun war.

 
Monica Ivancan, Model, Moderatorin und Schauspielerin

Monica Ivancan Model, Moderatorin und Schauspielerin, hat für ihre beiden Kinder (3 Jahre und 4 Monate) Nabelschnurblut bei Eticur eingelagert 

Warum haben Sie Stammzellen
eingelagert?

Da ich im Fall der Fälle gerüstet sein und später kein schlechtes Gewissen haben möchte, wenn ich es nicht gemacht habe. Für mich gab es keine Gründe, die dagegensprachen. Ich finde, Nabelschnurbluteinlagerung ist ein Muss. Es ist wirklich ein kleiner Aufwand, den man betreibt, um es für den Fall der Fälle parat zu haben. Aber eben auch ein kleiner Aufwand mit einer eventuell riesigen Wirkung, wenn man es mal braucht. Ansonsten kann man sich ja auch später noch dafür entscheiden, Stammzellen zu spenden.

Hat bei der Entnahme alles geklappt? 

Alles lief reibungslos. Wir haben das Entnahmeset mitgebracht. Es stand immer neben unserer Krankenhaustasche und hat dort quasi nur auf seinen Einsatz gewartet.

 

Jeanette Götz aus Naumburg

Jeanette Götz
aus Naumburg hat für ihre drei Kinder (13, 11 und 4 Jahre) Nabelschnurblut bei Vita 34 eingelagert 

Warum haben Sie Stammzellen eingelagert?

Ich bin adoptiert und habe meinen leiblichen Vater nie kennengelernt. Er ist an Leukämie und Kehlkopfkrebs gestorben. Da wollten wir für unsere Kinder vorbeugen. Mein Mann und ich sind beide in der Pflege tätig und wissen, wie schwierig es ist, Spender zu finden. Die Medizin entwickelt sich immer weiter. Vielleicht kann man irgendwann auch Diabetes und andere Krankheiten mit Stammzellen heilen.

Hat bei der Entnahme alles geklappt? 

Ja, das lief immer reibungslos. Das Päckchen mit dem Material hatten wir bereits zu Hause liegen und haben es zur Geburt mit ins Krankenhaus genommen. Mit dem Klinikteam war das abgesprochen. Nach der Geburt und der Entnahme hat mein Mann ein Telefonat getätigt, und kurze Zeit darauf hat der Kurier das Paket abgeholt. Danach bekamen wir schnell eine Rückmeldung, dass das Blut untersucht wurde.

 

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