Geburtsvorbereitung Gut vorbereitet auf die Geburt

Geburtsvorbereitungskurse kennt fast jeder, aber was passiert dort wirklich? Ist so ein Kurs überhaupt sinnvoll? Hebamme Franziska Luck ist selbst Mutter und erklärt, warum aus ihrer Sicht so ein Kurs für werdende Eltern definitiv keine Zeitverschwendung ist.

Vorbereitung ist das halbe Leben, grade wenn es um das Thema Elternwerden geht. Es gibt viel zu wissen und zu lernen. Der einfachste Weg dahin: ein Geburtsvorbereitungskurs. Ein solcher wird von Hebammen geleitet und die Kostenübernahme für die Schwangere liegt bei der Krankenkasse. Ein Buch zum Thema Schwangerschaft und Geburt zu lesen ist natürlich auch sinnvoll, ersetzt aber nicht wirklich einen Geburtsvorbereitungskurs.

Langer Kurs versus Crashkurs

Bei der Geburtsvorbereitung gibt es zwei verschiedene Modelle: einen langen, mehrwöchigen Kurs oder einen Crashkurs. Ein langer Geburtsvorbereitungskurs geht meist sechs Wochen und findet einmal die Woche für etwa zwei Stunden statt. Meistens ist der Kursbeginn am späten Nachmittag oder Abend.

Bei diesem Kurskonzept ist ein Partnerabend vorgesehen. Dieser ist üblicherweise der letzte Kurstermin und dauert etwa drei bis vier Stunden. Dort lernen dann auch die Partner alles zum Thema Geburt, Baby und Wochenbett.

Ein Crashkurs ist die Alternative zu dem langen Kurs. Dieser geht ein Wochenende, meist Samstag und Sonntag je sechs bis acht Stunden. Natürlich ist bei einer so langen Zeit auch eine Mittagspause vorgesehen. Bei diesem Kurskonzept nimmt der Partner die ganze Zeit mit teil.

Einer der großen Vorteile an dem langen Kurs ist: Du lernst andere Schwangere kennen. Viele Frauen treffen sich noch lange Zeit mit den anderen Müttern aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Es ist eine tolle und einfache Möglichkeit, um Kontakte zu knüpfen, gerade für die erste Zeit mit dem Baby, und um einen "Mütter-Freundeskreis" aufzubauen.

Einige Hebammen bieten auch Geburtsvorbereitung an, bei der der Partner an jedem der wöchentlichen Termine teilnimmt. Diese Geburtsvorbereitungskurse findet man aber nicht sehr häufig, da diese Kurse nur recht wenig gebucht werden. Egal ob lang oder kurz, die Krankenkassen bezahlen beide Varianten für die Schwangere.

Auszeiten sind gerade in der Schwangerschaft wichtig. Foto: Thinkstock

Warum ein Geburtsvorbereitungskurs?

Ein solcher Kurs soll dazu führen, dass du und dein Partner alle relevanten Dinge zum Thema Elternwerden wisst und ihr gut informiert seid. Die Hebamme erklärt unter anderem, wie eine Geburt überhaupt funktioniert und abläuft, was es für Phasen während der Geburt gibt, die Möglichkeit von Schmerzlinderung und was Wehen überhaupt machen.

Auch wann ihr euch auf den Weg in die Klinik machen solltet, wird besprochen. Du bekommst ebenfalls Infos zum Kaiserschnitt und über "Stolpersteine", die während der Geburt auftreten können. Themen, die nicht auf die Entbindung an sich bezogen sind, machen zudem einen großen Bestandteil aus. Es geht um die Schwangerschaft an sich, über das Stillen und das Wochenbett. Auch eine Ausstattungsliste und eine Liste für die Kliniktasche wird besprochen. Natürlich ist ein weiteres sehr wichtiges Thema das Baby und die Pflege des Neugeborenen.

Die Hebamme versucht, alle relevanten Themen für die werdenden Eltern anzusprechen, zu besprechen und zu informieren. Ein solcher Kurs soll bei den werdenden Eltern die Angst vor der Geburt nehmen. Wichtig ist auch, dass die schwangere Frau viel über ihren eigenen Körper lernt. Natürlich ist immer Raum für Fragen der Eltern in spe.

Ein wichtiger Aspekt sind zudem Übungen mit den Schwangeren – gerade wenn es um die Atemtechnik, Entspannungsübungen oder verschiedene Geburtspositionen geht. Durch die Atemübungen haben diese Kurse zur Geburtsvorbereitung den Beinamen "Hechelkurs" bekommen. Der werdende Vater bekommen viele Tipps für den Kreißsaal an die Hand, um damit seine Partnerin zu unterstützen und eine gute Hilfe zu sein. Viele Männer haben Angst vor der Geburt, da sie nicht wissen, was sie überhaupt tun können. Im besten Fall hat sich diese Befürchtung nach der Geburtsvorbereitung in Luft aufgelöst.

Wann zur Geburtsvorbereitung?

Am besten solltest du den Geburtsvorbereitungskurs etwa vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin erledigt haben. Eine frühzeitige Anmeldung ist sehr wichtig, da Kurse schnell ausgebucht sind. Gerade wenn man den klassischen langen Geburtsvorbereitungskurs machen möchte, sollte man sich bereits am Anfang der Schwangerschaft um einen Platz kümmern.

Manchmal findet man nur einen Kurs, der sehr weit vor dem errechneten Termin (ET) stattfindet oder knapp davor. Wenn dies der Fall ist, kontaktiere die Hebamme, die den Geburtsvorbereitungskurs leitet und bitte sie um Rat. Einen Geburtsvorbereitungskurs zu einem nicht ganz idealen Zeitpunkt zu machen, ist besser, als gar nicht daran teilzunehmen. Vielleicht kennt die Hebamme aber auch noch eine Adresse, bei der du dich noch anmelden kannst.

Im Geburtsvorbereitungskurs lernt man oft andere Frauen oder Familien kennen. Foto: Getty Images

Wo?

Die Kurse werden immer von Hebammen angeboten. Also findest du diese Geburtsvorbereitungskurse immer da, wo Hebammen zu finden sind: In Hebammenpraxen oder auch Krankenhäusern. Es gibt aber auch andere Organisationen wie zum Beispiel kirchliche Träger, die Geburtsvorbereitung anbieten. Am einfachsten findet man Geburtsvorbereitungskurse im Internet. Oft ist auch direkt eine Online-Anmeldung möglich. Frage sonst einfach eine Freundin oder Kollegin, die schon Mutter ist. Sie wird dir sicherlich einen Kurs bei einer Hebamme empfehlen können.

Geburtsvorbereitung beim zweiten Kind?

Viele Frauen möchten auch in der zweiten Schwangerschaft etwas für die Geburtsvorbereitung tun. Gerade wenn bei der ersten Geburt nicht alles optimal gelaufen ist, möchten diese Frauen ganz besonders gut informiert und vorbereitet sein. Auch in der zweiten Schwangerschaft lernt man noch viel Neues und Hilfreiches.

Es gibt sogar Geburtsvorbereitungskurse speziell für Mütter, die nach dem ersten Kind noch ein weiteres bekommen. Da diese Kurse recht selten angeboten werden, sollte man sich besonders frühzeitig um die Anmeldung kümmern. Die Kostenübernahme für die Geburtsvorbereitung erfolgt natürlich in jeder Schwangerschaft über die Krankenkasse.

Kostenübernahme?

Der Kurs wird von den Krankenkassen für die werdende Mutter übernommen. Viele Krankenkassen beteiligen sich am Partneranteil für den Vater, der bei etwa 100 bis 150 Euro liegt. Am besten informierst du dich vorab, ob deine Krankenkasse etwas dazu beisteuert. Gerade private Krankenversicherungen übernehmen recht selten den Eigenanteil für den werdenden Vater. Selbst wenn keine Kostenübernahme möglich ist, solltet ihr euch darüber im Klaren sein, dass das Geld sinnvoll investiert ist.

Ob du nun einen langen klassischen Geburtsvorbereitungskurs machst oder dich für einen Crashkurs entscheidest, das Wichtige ist, sich mit dem Thema Geburt auseinanderzusetzten. Es ist natürlich am sinnvollsten, von dem "Geburtsprofi" Hebamme etwas zu diesem Thema zu lernen. Gerade was Freundinnen oder auch die eigene Mütter von der Geburt erzählen, macht meist mehr Angst, als dass es einen beruhigt. Abgesehen davon ist der Inhalt der Geburtsvorbereitung sehr vielfältig. Auf jeden Fall wirst du viele Dinge lernen: über Schwangerschaft, Geburt, das Wochenbett und dein Baby. Diese Informationen werden dir und deinem Patner sowohl unter der Geburt als auch als frischgebackene Eltern sehr hilfreich sein. Und so könnt ihr entspannt in das Abenteuer "Eltern sein" starten.

Unsere Geburtsvorbereitungs-Expertin

Hebamme und zweifache Mutter Franziska Luck weiß über die Babyzeit Bescheid. Foto: privat

Franziska Luck
Hebamme und Mutter von zwei Kindern, Hamburg

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