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Interview
„Das lässt sich mit Stammzellen behandeln“

Wenn Eltern das Nabelschnurblut ihres Kindes einlagern lassen, tun sie das als Vorsorge. Kann es beim Kampf gegen Krebs helfen? Onkologe und Gründer der Seracell Stammzelltechnologie GmbH, Prof. Dr. med. Mathias Freund, antwortet.

Junge Familie: Derzeit wird viel über die Behandlung von Krebskrankheiten mittels Bluttests berichtet. Kann das eingelagerte Nabelschnurblut auch helfen? Oder wird dies in dieser Sache überflüssig?

Professor Freund: Krebsbehandlungen entstehen dadurch, dass Körperzellen bösartig entarten und anfangen, unkontrolliert zu wuchern. Zurzeit findet eine intensive Forschung dahingehend statt, Früherkennungstests zu entwickeln. Viele dieser Ansätze stehen noch am Anfang.

Bei Nabelschnurblut-Stammzellen handelt es sich um Blutstammzellen, die das Potenzial zu einer breiteren Differenzierung, also nicht nur zu Blutprodukten hin besitzen. Die besondere Eigenschaft dieser Stammzellen ist, dass sie frisch und unverbraucht sind und noch keine Mutationen erfahren haben. Sie können zur Regeneration und Reparatur von Geweben eingesetzt werden. Die Frage, ob diese Zellen auch direkt gegen Krebs wirken, muss man mit Nein beantworten. Allerdings kann es sein, dass sie in speziellen Fällen im Rahmen von Krebsbehandlungen eingesetzt werden können, zum Beispiel in Form einer Blutstammzell-Transplantation.

Lässt sich das Nabelschnurblut auch bei Erbkrankheiten nutzen?

Es ist durchaus denkbar, dass Nabelschnurblut-Stammzellen zur Behandlung von Erbkrankheiten eingesetzt werden. So kann zum Beispiel bei einer ererbten Bluterkrankung die Übertragung von gesunden Stammzellen des einen Geschwisterkindes auf das erkrankte Geschwisterkind den Defekt der Blutbildung heilen. Denkbar ist auch, dass bestimmte genetische Defekte durch Gentherapie in den Nabelschnurblut-Stammzellen behandelt werden und auf diese Art und Weise die Erkrankung bessern. Allerdings befinden sich die gentherapeutischen Ansätze noch in einem experimentellen Stadium und haben in den letzten Jahren nur langsame Fortschritte gemacht.

Gibt es neue Erkenntnisse in Sachen Diabetes-Bekämpfung?

Der sogenannte jugendliche Diabetes entsteht dadurch, dass die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse durch Immunzellen des eigenen Körpers angegriffen und zerstört werden. Vor einigen Jahren wurden Studien begonnen, die darauf beruhen, dass im Nabelschnurblut regulierende Immunzellen vorhanden sind. Man hoffte, die Immunreaktion durch die Nabelschnurblut-Stammzellen zu mildern oder zu beseitigen. Eine durchgeführte Studie in den USA hat jedoch nicht zeigen können, dass dieser Ansatz funktioniert. Eine weitere Studie in Deutschland läuft noch. Es wird abzuwarten sein, welche Ergebnisse berichtet werden. Möglicherweise muss die Frage noch einmal in größeren Studien untersucht werden.

Können auch Immunschwächen oder Stoffwechselstörungen mit Nabelschnur-Stammzellen behandelt werden?

Immunschwächen oder Stoffwechselstörungen beruhen wie Erbkrankheiten auf genetischen Defekten. Insofern ist es, wie bei der zweiten Frage ausgeführt, unter speziellen Gesichtspunkten durchaus denkbar, Nabelschnurblut-Stammzellen einzusetzen.

Auf Proben öffentlicher Nabelschnur-Banken kann jeder Arzt zugreifen. Können auch die Eltern des Spenderkindes auf „ihre“ Probe zugreifen, wenn es nötig wird?

Bei einer öffentlichen Spende wird das Nabelschnurblut der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Es ist im Kern nicht mehr für das Kind, von dem es stammt, oder für seine Geschwister reserviert. Bei den privaten Nabelschnurblut-Banken ist das anders. Hier werden die Stammzellen konserviert und eingefroren, um eine Stammzellreserve für das Kind zu bilden, von dem sie stammen.

 

 

Prof. Dr. med. Mathias Freund

Ordentlicher Professor für Innere Medizin und Direktor der Abteilung für Hämatologie und Onkologie in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin der Universität Rostock (bis 2012). Gründer der Seracell Stammzelltechnologie GmbH.

 

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