Namensfindung

Wie soll das Baby heißen?

Maximilian und Marie sind 2017 die beliebtesten Kindernamen in Deutschland gewesen. Bei unserer Autorin Silke Schröckert steht ein anderer Name ganz oben auf der persönlichen Hitliste – seit 24 Jahren!

Fee ist ein auf deutschen Standesämtern akzeptierter weiblicher Vorname. Das wusstest du nicht? Ich weiß das, seitdem ich zehn war. Also lange bevor ich den Vater meiner beiden Kinder überhaupt kannte. Und lange bevor die Themen Kinderbekommen und beliebteste Vornamen in meinem Leben eine ernsthafte Rolle spielten. Ganz egal: Ich war vorbereitet. Meine Tochter würde ich Fee nennen. Und das würde ich mir ganz sicher von niemandem ausreden lassen.

In guten wie in schlechten Zeiten
Eher einen bewährten oder einen ausgefallenen Namen?

Es existiert ein Hochzeitsvideo aus dem Jahr 2013, in dem die Trauzeugen meinen Mann und mich als potenziell werdende Eltern getrennt voneinander nach den gewünschten Kindernamen für unseren zukünftigen Nachwuchs befragen. Ich blöke mit verliebtem Blick „FEE!“ in die Kamera. Mein Mann verkündet stolz die möglichen Namen für seinen erstgeborenen Sohn. Und ergänzt trocken, dass ihm die Auswahl eines Mädchennamens egal sei. Nur alles, was auf „e“ endet, schließe er aus. Das klinge irgendwie nicht weiblich.

Als Mami entscheide ich. Oder?

Selbst als frischgebackene Ehefrau, deren Name übrigens auf „e“ endet, habe ich mich davon nicht aus der Fassung bringen lassen. Ich war mir sicher: Wenn es erst einmal so weit ist, sitze ich am längeren Hebel. Bis in den sechsten Monat hinein streichelte ich also gedanklich die kleine Fee in meinem Bauch. Dann kam, erst zu Beginn des siebten Monats, das Ultraschallbild, auf dem endlich eindeutig das Geschlecht zu erkennen war. Und die Erkenntnis: Wie auch immer unser Kind heißen wird – eine Fee wird es nicht.

Ach, wir haben noch sooo viel Zeit …

Genauso kategorisch, wie mein Mann „Fee“ für ein Mädchen ausschloss, lehnte ich seine Vorschläge für einen männlichen Vornamen ab. Nicht aus Bösartigkeit oder Rache (ehrlich!), sondern einfach aus geschmacklichen Gründen. Es waren also alle Favoriten vom Tisch – und unsere Suche nach dem perfekten Vornamen begann bei null. „Egal“, dachte ich. „Wir haben ja noch zehn Wochen Zeit.“ Aus denen ganz schnell vier wurden. Dann zwei. Kurze Zeit später redeten wir uns ein: „Ach, es sind ja noch fünf Tage bis zum Termin, bis dahin haben wir uns für den richtigen Babynamen entschieden!“

Hallo Welt, da bin ich! Wie heiße ich?

Als unser Sohn sich vier Tage früher als errechnet auf den Weg machte, war er noch namenlos. Im Kreißsaal diskutierten wir zwischen den einzelnen Wehen weiter über einen passenden Namen. (Wer schon einmal ein Kind bekommen hat, kann sich vorstellen, dass das nicht sonderlich ergebnisreich war.)

Erst als die PDA endlich zu wirken begann, einigten wir Eltern uns ganz harmonisch und beide voller Begeisterung: Unser Junge sollte den Kindernamen Tom bekommen. Kurz, frech und trotzdem seriös genug fürs spätere Erwachsenenleben. Leicht zu verstehen und einfach zu schreiben. Und nicht zuletzt: Keiner von uns beiden kennt einen „blöden Tom“, der uns den Namen hätte versauen können. Die Begeisterung für unsere Entscheidung hält bis heute an – ich könnte mir auch viereinhalb Jahre später keinen passenderen Namen mehr für unseren Nachwuchs vorstellen.

Zum Glück gibt es Zweitnamen

Zwei Jahre nach unserem ersten Kind wurde Tochter Mina geboren. Und auch sie wurde keine Fee, sondern eine Mina. (Ein Glück, denn schon heute ist sie viel mehr eine robuste Räubertochter als eine liebliche Fee.) Am Ende siegten das Veto meines Mannes und, das gebe ich heute gern zu, meine Vernunft.

Immerhin: Ihr Name stand schon in der Schwangerschaft – eine Woche vorm errechneten Termin – fest. Aber auch bei dieser Geburt fällten wir im Kreißsaal noch eine letzte Entscheidung. Und in der steckt dann doch noch ein ganz klein bisschen „Fee“: Mina heißt mit zweitem Vornamen Feline. Mein Mann spricht das übrigens mit stummem „e“ am Ende.

Hitlisten der beliebtesten Vornamen 2017

Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. hat eine Hitliste der beliebtesten Kindernamen 2017 veröffentlicht. Bei den folgenden Listen handelt es sich um die beliebtesten Namen insgesamt und die beliebtesten Erstnamen, die Eltern für Mädchen und Jungen vergeben haben:

Beliebteste Vornamen für Mädchen

1. Marie/Mari
2. Sophie/Sofie
3. Maria
4. Sophia/Sofia
5. Emilia
6. Emma
7. Hannah/Hanna
8. Anna
9. Mia
10. Luisa/Louisa

Beliebteste Vornamen für Jungen

1. Maximilian
2. Alexander
3. Paul
4. Elias
5. Ben
6. Noah/Noa
7. Leon/Léon
8. Louis/Luis
9. Jonas
10. Felix

Beliebteste Erstnamen für Mädchen

1. Emma
2. Sophia/Sofia
3. Hanna/Hannah
4. Emilia
5. Mia
6. Anna
7. Lina
8. Mila
9. Klara/Clara
10. Marie

Beliebteste Erstnamen für Jungen

1. Ben
2. Paul
3. Noah/Noa
4. Leon/Léon
5. Jonas
6. Felix
7. Elias
8. Louis/Luis
9. Lukas/Lucas
10. Maximilian

Wie finde ich den passenden Kindernamen?

Spätestens, wenn das Babybäuchlein zu sehen ist, wird die Mami in spe von allen Seiten gefragt: „Wisst ihr schon, was es wird? Und wie soll das Kleine denn heißen?“ Die Antwort darauf halten werdende Eltern häufig bis zur Geburt geheim, denn geben sie den Namen vorher schon preis, bekommen sie nicht selten zu hören: „Wir hatten mal eine Sabrina in der Klasse, das war eine echte Zicke.“ Schließlich verbindet jeder mit einem Namen etwas anderes. Hat man an die Person angenehme Erinnerungen, wird diese auch auf das Baby übertragen.

Bei Mandy, Jaqueline oder Chantal sind sich allerdings (fast) alle einig: Laut einer Studie der Universität Oldenburg aus dem Jahr 2009 trauen Grundschullehrer Kindern mit diesen Namen weniger zu. Heißen die Kinder jedoch Emma, Nele oder Marie, werden sie von den Lehrern als leistungsstark und freundlich eingestuft. Die Rangliste der unbeliebtesten Namen aber führt Kevin an. Wer so heißt, gilt – nicht nur bei Grundschullehrern – als verhaltensauffällig.

Doch wie findet man nun den „richtigen“ Namen für sein Baby? Schließlich ist der eigene Nachwuchs einzigartig, und das sollte sich auch im Namen aus-drücken. Wenn es in der Kita schon fünf oder sechs Mias gibt, ist das mit der Einzigartigkeit so eine Sache … Zu ausgefallen sollte er aber auch nicht sein. Tiberio und Tamsin sind sicher außergewöhnliche und schöne Vornamen, aber zumindest bei Tamsin stellt sich die Frage, ob es sich dabei um einen Jungen oder ein Mädchen handelt. Und wer seinen kleinen Schatz Oleander tauft, kann sicher sein, dass es spätestens in der Schule zu einigen Hänseleien kommt. 

Im Notfall wird es ein Doppelname

Können sich die Eltern nicht auf einen gemeinsamen Vornamen einigen, bleibt immer noch die Chance auf einen Doppelnamen. So kann jeder seinen Favoriten ins Rennen schicken. Ein weiterer Vorteil dabei: Ist das Kind größer, kann es sich für einen der beiden Namen entscheiden oder behält den Bindestrich-Namen bei. Und dann wird aus Tamsin ganz schnell eine Tamsin-Sophie – und auch die Frage nach dem Geschlecht des Kindes ist ruck, zuck geklärt.

Neben den herkömmlichen Namensbüchern tummeln sich im Internet Namens-Generatoren, die nach Kriterien wie Herkunft, Länge, Einzel- oder Doppelname, zum Nachnamen passend etc. verschiedene Namensvorschläge ausspucken. Auf www.beliebte-vornamen.de findet ihr nicht nur die Hitlisten der letzten Jahrzehnte, sondern auch alles rund um die Namensgebung.

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