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Die Ungeduldigen

Frühgeburten: Vorbeugung und medizinische Versorgung

Manche Babys haben es besonders eilig: Rund neun Prozent der Kinder in Deutschland kommen zu früh zur Welt. Die medizinische Versorgung und damit ihre Überlebenschancen haben sich in den letzten Jahren verbessert. Und: Inzwischen gibt es viele Verfahren, damit es gar nicht erst zu einer Frühgeburt kommt.

 

Frühchen sind Babys, die vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. Dank des medizinischen Fortschritts sind die Chancen, auch ohne Spätfolgen zu überleben, für die meisten von ihnen gut. Wichtigstes Ziel der Ärzte ist aber immer, eine Frühgeburt zu verhindern.

 

Warum machen sich einige Baby zu früh auf den Weg?

Bei rund 40 Prozent der Fälle ist unklar, warum es zu einer Frühgeburt gekommen ist. Häufig ist eine Kombination mehrerer Faktoren dafür verantwortlich.

Als häufigste Ursache gelten Infektionen im Genitalbereich – zum Beispiel Harnwegsinfektionen oder Chlamydien, das sind sexuell übertragbare Bakterien.

  • Etwa 20 Prozent der Frauen haben eine Fehlbesiedelung der Scheide mit so genannten anaeroben Bakterien (bakterielle Vaginose). Diese produzieren Wehen auslösende Substanzen (Prostaglandine).
  • Ein beträchtliches Risiko für eine Fehl- oder Frühgeburt haben Raucherinnen: Die Inhaltsstoffe des Tabakrauchs beeinträchtigen die Durchblutung der Gebärmutter und damit die Versorgung des Ungeborenen.
  • Stress kann vorzeitige Wehen auslösen. Daher sollte der Rat von Ärzten, sich zu schonen, immer ernst genommen werden.
  • Eine Erkrankung oder Fehlbildung des Kindes kann ebenfalls  Auslöser sein.
  • Mehrlingsschwangerschaften erreichen nur selten volle 40 Wochen.


Manchmal wird die Geburt auch bewusst vorzeitig eingeleitet. Dann nämlich, wenn die Mutter an einer lebensbedrohlichen Krankheit leidet. Oder wenn das Baby nicht mehr ausreichend im Mutterleib versorgt wird.

 

Was deutet auf eine Frühgeburt hin?

Es gibt einige Signale, die auf eine drohende Frühgeburt hinweisen können: Dazu gehören Blutungen, Bauchschmerzen, anhaltender Durchfall oder Fieber. Manche Frauen spüren ein Ziehen im unteren Teil des Rückens.
Deutlichstes Zeichen sind vorzeitige Wehen, die im Abstand von fünf bis zehn Minuten kommen, jeweils mehr als 30 Sekunden dauern und länger als eine Stunde anhalten.
Diese Hinweise sollten für Frauen immer Anlass sein, sich an ihren Gynäkologen zu wenden bzw. eine Klinik aufzusuchen.
 

Was tun Mediziner, um eine Frühgeburt zu vermeiden?

Solange die Fruchtblase nicht geplatzt ist, wird man in der Klinik versuchen, eine Frühgeburt zu verhindern. Lassen die Wehen trotz strikter Bettruhe nicht nach, bekommt die Schwangere Magnesium oder Medikamente, die die Gebärmutter „beruhigen“.  Zeigt das alles keine Wirkung, entscheiden sich die Ärzte meist für Wehen hemmende Mittel.

Sobald die Fruchtblase platzt, lässt sich eine Frühgeburt nicht mehr aufhalten. In manchen Fällen bekommt die Schwangere dann Kortison gespritzt, um die Lungenreifung des Ungeborenen zu beschleunigen. Denn: Vor der 34. Schwangerschaftswoche ist die Lungenreifung des Kindes noch nicht abgeschlossen, so dass Frühgeborene häufig unterschiedlich ausgeprägte Schwierigkeiten bei der Atmung bekommen.
Der Kopf bei kleinen Frühstartern ist noch sehr weich. Deshalb entscheiden sich Ärzte bei der Geburt häufig für einen Dammschnitt, der das Kind vor großen Druckveränderungen im Geburtskanal weitgehend schützt.

 

Welche Chancen haben Frühchen?

Ab der 24. Schwangerschaftswoche hat das Baby zunehmend gute Chancen zu überleben. Ab der 28. Woche liegen die Überlebenschancen bereits bei 95 Prozent. Dank ausgeklügelter intensivmedizinischer Betreuung kommen immer leichtere, unreifere Frühgeborene durch. Die meisten erhalten gute Prognosen – viele Eltern nehmen gesunde Kinder mit nach Hause.

Gleich nach der Geburt wird das frühgeborene Kind auf die Intensivstation gebracht und in einen Brutkasten gelegt. Hier werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant gehalten. Die Atmung wird überwacht, falls erforderlich wird Sauerstoff zugeführt.

Viele Frühchen bis zur 32. Schwangerschaftswoche können die erforderliche Nahrungsmenge noch nicht aufnehmen. Daher erhalten sie zunächst eine Infusion mit Nährstoffen. Sobald möglich, sollten Mütter beginnen, ihr Baby zu stillen. Denn Muttermilch enthält wichtige Nährstoffe in erhöhter Konzentration.

Was ist noch wichtig?

Sonden, Schläuche und Krankenhausatmosphäre statt kuscheliger Kinderwiege in den eigenen vier Wänden. Dazu die ständige Angst vor Komplikationen. Die Sorge, ob es das kleine Neugeborene wirklich schafft und  ob es gesund aufwachsen wird.
Eine Frühgeburt ist für alle auch eine große seelische Belastung – für das Baby ebenso wie für die Eltern. Gerade deshalb ist neben der intensivmedizinischen Betreuung körperliche Nähe für die junge Familie enorm wichtig.
Viele Kliniken bemühen sich deshalb, den Körperkontakt zwischen Eltern und Kind zu fördern. Zum Beispiel mit dem „Känguruen“: Das Neugeborene wird – nur mit einer Windel bekleidet – für einige Stunden pro Tag auf die Brust der Mutter oder des Vaters gelegt. Dieser innige Kontakt wirkt beruhigend auf das Baby – sein Herzschlag und seine Atmung werden regelmäßiger.

Professor Dr. med. Gerhard Jorch, Chefarzt und Direktor der Uniklinik für Pädiatrie und Neonatologie Magdeburg

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