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Sanfte Hilfe

Homöopathie nach der Geburt

Beschwerliche Tage nach der Geburt müssen nicht sein. Mit Hilfe der Homöopathie können typische Wochenbett-Komplikationen sanft und sicher gelindert werden.

Ein Moment des Glücks: Endlich ist das Baby da. Erstmal ausatmen, lachen, weinen, staunen. Der Sturm der Geburt ist vorüber, und doch gibt es für die Mutter noch einige Klippen zu umschiffen.

Da ist zum einen die Erschöpfung. Vielleicht hat unter der Geburt der Damm gelitten. Oder die Nachwehen sind schmerzhaft. Die Plazenta soll sich leicht von der Gebärmutter lösen, das Stillen ohne wunde Brustwarzen oder gar Brustentzündung verlaufen. Viel Neues stürmt auf die Mutterseele ein - um nicht in ein Tief zu rutschen, braucht sie jetzt besondere Unterstützung.

Durch Homöopathie Selbstheilungskräfte aktivieren

Frauen, die den zarten Organismus des Neugeborenen in der Stillzeit nicht belasten möchten und eine Alternative zu schulmedizinischen Präparaten suchen, können in der Homöopathie wirksame Mittel zur Linderung typischer Wochenbettbeschwerden finden.

Ihr Vorteil: Bei sachgemäßer Einnahme sind keine Nebenwirkungen zu beklagen. Homöopathische Mittel zielen darauf ab, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Nicht zufällig leitet sich der Begriff Homöopathie vom griechischen Wort für Gleichgewicht (Homöostase) ab. Homöopathika werden sehr stark verdünnt, denn über die Heilwirkung entscheidet nicht die Menge bestimmter Substanzen, sondern das so genannte Ähnlichkeitsprinzip.

Wie Ähnliches Ähnliches heilt

Das wichtigste Prinzip der Homöopathie ist das Ähnlichkeitsprinzip. Was auch immer eine Substanz in großen Mengen an Symptomen bei gesunden Menschen hervorrufen kann, kann es in kleinen Dosen bei kranken Menschen heilen. Kompliziert? Ein Beispiel soll dies veranschaulichen: Arsenik ruft Vergiftungserscheinungen hervor: Durchfall, Schwächeanfälle, begleitet von Ruhelosigkeit und Angstzuständen. Jedoch haben homöopathische Dosen derselben Substanz bei vielen Menschen, die an ähnlichen Symptomen litten, eben diese Symptome geheilt, ob sie nun auf eine Lebensmittelvergiftung, Kolitis oder Cholera zurückzuführen waren. Ein uns vielleicht vertrauteres Beispiel sind die Symptome, die der Konsum von Kaffee hervorruft: In großen Mengen getrunken, führt er zu Schlaflosigkeit. "Coffea" ist aber gerade auch eines der homöopathischen Mittel gegen Schlaflosigkeit. Dabei ist die Voraussetzung für eine rasche und und vor allem nebenwirkungsfreie Heilung die "Potenzierung" von Substanzen.

Das Rätsel der Potenzen

Damit die Information eines Wirkstoffes freigesetzt werden kann, bedarf es einer speziellen Methode. Winzige Bestandteile von Pflanzen, Mineralien oder Tieren werden wieder und wieder mit Hilfe eines Trägermediums verdünnt und in Bewegung gebracht: Sie werden "potenziert". Ab einem gewissen Grad der Verdünnung ist kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr nachweisbar. (Von daher sind homöopathische Medikamente auch stets "ungiftig".) Hier verbirgt sich das eigentliche Geheimnis der Homöopathie. Es heißt, je höher die Potenz (je verdünnter), desto stärker die Wirkung. Für eine D-Potenz wird der Arzneistoff in Zehner-, für eine C-Potenz in Hunderterschritten verdünnt: Bei einer Arnika D 6 zum Beispiel wird ein Tropfen der Urtinktur Arnika mit neun Tropfen Alkohol gemischt. Diese Mischung erhält zehn "Schüttelschläge", das führt zu Arnika D1. Dieser Mischung wird ein Tropfen entnommen, der wieder mit neun Tropfen Alkohol gemischt und mit zehn Schüttelschlägen versehen wird. Dadurch erhält man Arnika D2 usw.

Von Arnika und anderen Wochenbetthelfern

Die Heilpflanze Arnika liebt extreme Bedingungen. Kein Wunder also, dass sie das Mittel für die extreme Zeit kurz vor, während und kurz nach der Geburt ist. Jeweils eine Gabe (ab einer C 30-Potenz und höher) hilft, die Wundheilung zu beschleunigen, durch starke Nachwehen verursachte Schmerzen zu besänftigen, Müdigkeit und Zerschlagenheitsgefühl zu mindern.

Sollten die Nachwehen einer Arnika-Gabe jedoch trotzen, empfiehlt sich die Kamille. "Chamomilla" gilt als Mittel für zum Verzweifeln starke Schmerzen, aber auch das Johanniskraut (Hypericum) oder das Herzgespann (Leonurus) kommen in Betracht. Ausschlaggebend für die richtige Mittelwahl ist eine sorgfältige Aufnahme des Zustands der frischgebackenen Mutter. Nicht nur die körperlichen Symptome, sondern auch die seelische Verfassung sind für eine erfolgreiche Behandlung wichtig.

Homöopathie ist keine Laienmedizin. Es bedarf einer mehrjährigen Ausbildung, um sich mit ihren Gesetzmäßigkeiten vertraut zu machen. Daher ist es nicht ratsam, sich selbst zu therapieren, sondern dies kundigen Hebammen, Ärzten oder Heilpraktikern zu überlassen. Sie kennen eine ganze Liste von erprobten Geburtsmitteln.

Neues vom Gänseblümchen

Eines davon ist das Gänseblümchen. Nicht umsonst genießt es in Fachkreisen den Ruf, das "Arnika der Gebärmutter" zu sein. Ist es unter der Geburt zu einer Verletzung des Uterus gekommen - wie etwa bei einem Kaiserschnitt - ist das unscheinbare Blümchen Bellis perennis angezeigt, denn es hilft dem Gewebe, sich nach chirurgischen Eingriffen rasch zu regenerieren.

Apropos Wundschmerz. Schon während der Geburt ließe sich so mancher Dammriss mit einer rechtzeitigen Gabe potenzierten Kaffees verhindern (in einer C30 und höher). Musste jedoch eine Episiotomie - ein Dammschnitt - vorgenommen werden, steht das Stephanskraut (Staphisagria) zur Verfügung. Äußerlich lindern in verdünnte Calendula-Urtinktur getränkte Auflagen (1:10 Teile Wasser) den Schmerz und regen die Wundheilung an.

Bildet sich der Uterus nach der Geburt nicht wunschgemäß zurück, ist wieder das Gänseblümchen zur Stelle. Auch das Nachtschattengewächs Belladonna (Tollkirsche) bietet sich an, vor allem, wenn es bei Nachwehen zu Blutungen gekommen ist. Stehen aber eher Gefühle des Brennens und der Verkrampfung im Vordergrund, sollte man an die Spanische Fliege (Cantharis) denken, um Abhilfe zu schaffen.

Unter Umständen kann sich die Gebärmutter nicht zurückbilden - im Fachjargon: "atonischer Uterus". Hier bringt die weiße Mistel (Viscum album) frische Aktivität. Die Küchenschelle (Pulsatilla) hingegen hilft allen Müttern, die nach der Geburt unter Blutungen leiden, am liebsten jedoch aufspringen, das Fenster aufreißen würden und denen ansonsten nur nach einem zumute ist: Weinen.

Seelischer Trost durch Kalium & Co

Nach der Geburt ist ein Gefühl von Erschöpfung, Leere und Hilflosigkeit nichts Ungewöhnliches. "Baby Blues" oder "Wochenbettdepression" nennt man dieses vertraute nachgeburtliche Phänomen.

Wenn sich eine Mutter nach einer mit hohem Blutverlust verbundenen Geburt nicht so recht über sich und das Kind freuen mag, kann ein altbewährtes Mittel, die Chinarinde (China officinalis), helfen. Sind aber die Tränen durch nichts zu stoppen, kann ein Kali-Salz trösten. Tatsächlich ist die Geburt unter naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten ein "Kalium-Verlust-Ereignis" und das Element wird in der Homöopathie mit Sorgen um die Familie in Verbindung gebracht. Auch der Tintenfisch (Sepia) oder die Edelmetalle Platin und Gold (Aurum) können seelische Verstimmungen nach der Geburt schnell in Luft auflösen.

Wo bleibt die Milch?

Wird das Stillen von der Lust zur Last, beispielsweise wenn die Muttermilch zu stark oder gar nicht fließt, sich staut und zur schmerzhaften Brustentzündung führt, gibt es im homöopathischen Repertoire eine Reihe von Gegenmitteln.

Die Kermesbeere (Phytolacca) soll 60 Prozent aller Brustprobleme günstig beeinflussen. Außerdem angezeigt sind die Zaunrübe (Bryonia), Tollkirsche (Belladonna) oder eine Mittelfolge: auf Quecksilber (Mercurius) folgt Hepar sulfuris, und Kieselsäure (Silicea) schließt den Prozess ab.

Bei fehlendem Milcheinschuss haben sich das Mutterkorn (Secale cornutum), der Mönchspfeffer (Agnus castus) und die Kuhmilch (Lac defloratum) bewährt. Und wenn der Milchfluss gar nicht mehr aufhört, hilft unter Umständen die Milch vom Hund (Lac caninum). Welches Mittel nun das richtige ist? Fragen Sie Ihre Hebamme, Ihren Heilpraktiker oder Arzt.

Homöopathie nach der Geburt: Die wichtigsten Mittel auf einen Blick

Arnika - fördert Wundheilung, Schmerzlinderung 
Cimicifuga indianischen Ursprungs - hellt die Seele auf 
Coffea - hilft Dammriss oder -schnitt zu verhüten 
Chamomilla - wenn die Schmerzen zum Verzweifeln sind 
China officinalis - behebt Erschöpfungszustände durch Blutverlust 
Bellis perennis - bei Kaiserschnitt, fördert Gebärmutterrückbildung 
Hamamelis - bei Hämorrhoiden und entzündeten Krampfadern 
Lac caninum - reguliert einen allzu starken Milcheinschuss 
Kalium carbonicum - gegen düstere Stimmung nach der Geburt 
Platin - kann Müttern helfen, besser zum Kind zu finden 
Pulsatilla - wenn alles in Tränen versinkt 
Phytolacca - angezeigt bei vielen Beschwerden der Brust 

Autorin: Kirstin Ruge

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