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Rizinusöl, Sex, Bewegung?

So kannst du Wehen fördern oder auslösen

Die Wehen lassen auf sich warten oder du möchtest einfach etwas zur Vorbereitung tun? Hebamme Franziska Luck gibt Schwangeren hilfreiche Tipps, um die Geburt selbst und auf natürliche Weise auszulösen.

Heutzutage weiß man, dass das Baby selbst den Impuls zum Start der Geburt gibt. Wie es das macht, weiß man hingegen nicht so genau. Zum Ende der Schwangerschaft, wenn die Strapazen immer mehr zunehmen, fragen sich viele Mütter, ob sie selbst effektiv etwas tun können, um die Geburt auszulösen, beziehungsweise dem Start bei Terminüberschreitung etwas nachzuhelfen. Es gibt tatsächlich viele kleine Hausmittel und Tricks, die helfen können. Grundsätzlich gilt jedoch: Welche Methode genau dir persönlich definitiv helfen wird, kann dir auch kein Arzt und keine Hebamme konkret sagen. Denn wenn dein Baby einfach noch nicht bereit ist, auf die Welt zu kommen, können auch die besten Tipps und Tricks nicht zum gewünschten Effekt führen.

Diese Methoden können helfen, Wehen zu fördern

Die nun folgenden Dinge kannst du hingegen nutzen, ohne dir Gedanken um deine Gesundheit und die deines Kindes machen zu müssen. Denn diese Liste beinhaltet nur die wirklich harmlosen Dinge, die auf der anderen Seite aber auch einen sehr guten Effekt haben können.

Eine sehr wichtige Sache vorweg: Bitte versuche keine ominösen Dinge oder alternative Methoden, die du in Internet-Foren findest. Der Konsum sogenannter Wehen-Cocktails kann helfen, sollte aber immer nur unter Aufsicht von Hebammen, beziehungsweise im Krankenhaus durchgeführt werden. Von allen Dingen, die Rizinusöl enthalten, kann ich nur abraten, da diese Art der Geburts-Einleitung auch schnell – im wahrsten Sinne – nach hinten los gehen kann. Denn dies führt oft zu extremem Durchfall und dieser ist während einer Geburt kein gewünschter Begleiter. Ebenso kann das Öl manchmal zu sehr starken und hochfrequenten Wehen führen. Dieser "Wehen-Sturm" kann beim Baby großen Stress auslösen.

Himbeerblättertee

Diesen Tee kennen fast alle Schwangeren oder Mütter. Er schmeckt leider nicht – wie der Name vermuten ließe – nach Himbeeren, sondern eher nach Kräutertee. Dieser Tee bereitet das Gewebe auf die Geburt vor, macht es weich und weit. Er löst also nicht effektiv die Geburt aus, hat aber einen auflockernden Effekt, sodass die Geburt unter Umständen schneller und leichter verläuft. Himbeerblättertee bekommst du in der Apotheke, entweder im Beutel oder auch lose. Loser Tee ist Ersterem hier immer vorzuziehen, da dieser einfach qualitativ hochwertiger ist. Aber Achtung: Bitte nicht mehr als zwei Tassen am Tag trinken, sonst kann das Gewebe tatsächlich gar zu weich werden, was wiederum nicht empfehlenswert ist. Grund dafür ist, dass die bei möglichen Geburtsverletzungen auftretenden Wunden so schwerer zu nähen sind. Wenn du unter vorzeitigen Wehen leidest, solltest du diesen Tee natürlich auch meiden oder ihn erst ab der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche trinken. Bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf können Mütter etwa vier Wochen vor dem errechneten Termin (ET) beginnen, Himbeerblättertee zu trinken.

Akupunktur

Die Akupunktur gehört bei vielen Frauen zum Standardprogramm mit Blick auf die Geburtsvorbereitung. Viele Kliniken bieten diese entsprechend an. Ansonsten findest du meist offene Akupunktur-Sprechstunden in Hebammen-Praxen. Manchmal bieten auch Gynäkologen diese Methode aus der traditionellen chinesischen Medizin an. Bei der Akupunktur werden verschiedene Punkte mit sehr dünnen Nadeln getriggert. Das ist meist völlig schmerzlos, da die Nadeln sehr sehr dünn sind. Also auch, wenn du Panik vor der Blutabnahme beim Arzt hast: Vor der Akkupunktur brauchst du wirklich kein zu haben. Frage am besten deinen Arzt oder deine Hebamme um Rat, wenn du auf der Suche nach einem geeigneten Ort für die geburtsvorbereitende Akupunktur bist. Es ist auch nett, diese in der Klinik durchführen zu lassen, in der dein Kind geboren werden soll, da du so schon einige der dort arbeitenden Hebammen kennenlernen kannst. Diese siehst du dann mit etwas Glück auch im Kreißsaal zur Geburt wieder.

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Aktiv sein / Treppen steigen

Spazierengehen und allgemeines Aktivsein ist ebenfalls ein guter Trick, um den Wehen etwas nachzuhelfen. Einige werdende Mütter schwören auf das Treppensteigen als Trick um Wehen zu fördern. Nicht umsonst werden Schwangere bei Geburtsbeginn im Krankenhaus nochmal zum Spazieren geschickt, um die Wehen anzukurbeln. Wichtig: Mit zu anstrengendem Ausdauersport solltest du zum Ende der Schwangerschaft nicht mehr anfangen. Entspanntes Spazierengehen reicht völlig aus.

Zimt

Dieses leckere Gewürz kann laut einiger Mütter ein gutes und leckeres Hilfsmittel sein, um die Geburt ein wenig in die Gänge zu bringen. Sei es im Tee oder Kaffee, aber auch im Müsli oder Gebäck – Zimt werden "wehenfördernde" Eigenschaften nachgesagt. Deshalb ist hier bei Schwangeren mit vorzeitigen Wehen auch Vorsicht beim Verzehr geboten. Ein besonderer Tipp für die Weihnachtszeit (beziehungsweise ab September, in welchem mittlerweile Weihnachtskekse zu kaufen sind): Gewürzspekulatius sollen eine tolle Gewürz-Kombination innehaben, die tatsächlich Wehen auslösen kann. Also: Lass es dir schmecken.

Sex

Auch, wenn dir am Ende der Schwangerschaft mit dem großen Bauch vielleicht nicht mehr danach sein sollte: Sex ist eine gute Art, um die Geburt auszulösen. Denn im Sperma sind unter anderem Prostaglandine enthalten, die Wehen auslösen können. Prostaglandine werden auch bei der medikamentösen Einleitung verwendetet. Genau so sieht es bei dem Hormon Oxytocin aus. Dieses wird unter anderem beim Orgasmus ausgeschüttet und ist das Wehen-Hormon schlechthin. Es gibt also gleich mehrere Gründe, es sich am Ende der Schwangerschaft nochmal mit dem Partner gemütlich zu machen. Männer, die sich Gedanken machen, ihr Baby zu verletzten, kann man jede Angst nehmen: Das Baby ist gut geschützt in der Gebärmutter und bekommt – bis auf die Glückshormone der Mama – nichts davon mit. Hier ist aber auch bei vorzeitigen Wehen oder vorangegangen Blutungen in der Schwangerschaft Vorsicht geboten. Denn alles, was zu Wehen führen kann, sollte von der Gruppe der Risikoschwangeren möglichst vermieden werden.

Brustwarzen-Massage

Diese Massage der Brustwarzen zielt wieder auf das körpereigene Hormon Oxytocin ab. Hierbei geht es auch nicht um eine spezielle Technik, sondern lediglich die sanfte Massage der Brustwarzen an sich. Das geeignete zeitliche Intervall wird immer unterschiedlich angegeben, doch es gibt ein Grundschema, an das du dich halten kannst: Beide Brustwarzen werden zirka eine Minute lang stimuliert, dann folgt eine Pause von etwa drei Minuten. Dieses Intervall kann über eine halbe Stunde täglich – auch mehrfach – durchgeführt werden. Wenn du schon leichte Wehen bemerkst, kann diese Massage insofern wirksam sein, dass der angestrebten Geburt ein wenig auf die Sprünge geholfen wird. Du solltest damit natürlich erst beginnen, wenn du dich in der Nähe deines ET befindest. 

Baden

Ein wohltuendes Bad kann seinerseits seinen Teil beitragen. Nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch zur Geburt oder schlichtweg, um dich und deinen strapazierten Körper zu entspannen. Nach einem anstrengenden Tag mit dickem Kugelbauch tut es gut, sich Zeit für sich zu nehmen und etwas in der Badewanne zu entspannen. So kannst du vielleicht sogar herausfinden, ob es dir während der Geburt gut tun könnte. Wenn du leichte Wehen hast und herausfinden möchtest, ob es tatsächlich los geht, ist ein Bad tatsächlich auch ein super Trick: Wenn nach, beziehungsweise während des Badens die Wehen verschwinden, geht es noch nicht los. Werden sie jedoch stärker und regelmäßiger, ist es ein geeignetes Zeichen, dass die Geburt tatsächlich startet. Du solltest aber lieber nicht alleine sein, wenn du in die Badewanne steigst. Das warme Wasser kann zu Kreislaufproblemen führen. In dem Fall ist es natürlich ratsam, mögliche Hilfe im Haus zu haben.

Fazit

Egal, ob eine der Maßnahmen dir hilft, die Wehen erfolgreich auszulösen oder nicht: Die Geburt eines Kindes ist und bleibt nach wie vor ein unplanbares Ereignis. Es ist wichtiger Teil des Elternwerdens, sich auf die Unplanbarkeit der Geburt einzulassen und allem, was damit einhergeht. Es kann jederzeit losgehen. Also: Meist gibt es nur eine Sache, auf die man sich verlassen kann: Erstens kommt es anders und zweitens, als du denkst...

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Unsere Autorin

Franziska Luck

Unsere Autorin Franziska Luck ist seit 2009 ausgebildete Hebamme. Sie arbeitet in der Metropolregion Hamburg und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern südlich der Elbe.

Franziska schreibt aufgrund ihres Fachwissens und ihrer langjährigen Erfahrung als Hebamme für wireltern.de vor allem zum Thema: Schwangerschaft, Geburt und Baby.

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