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Second Child

Beim zweiten Kind ist alles anders

Die zweite Schwangerschaft ist oft weniger romantisch als die erste und viele Fragen stellen sich neu. Warum das so ist, berichtet Junge-Familie-Redakteurin Annette Langer aus ihren persönlichen Erfahrungen.

Vor zweieinhalb Jahren saßen mein Mann und ich aufgeregt auf einem Sofa in einem Marks & Spencer Kaufhaus in England und hielten unseren ersten Schwangerschaftstest in den zittrigen Händen. Kein Zweifel: Zwei Streifen, also „schwanger“. „Ich hab’s ja gewusst“, sagte mein Mann scheinbar ruhig. Wir starrten dennoch weiter auf das Ergebnis und konnten es immer noch nicht fassen. Zurück in Deutschland sahen wir ihn dann live auf dem Monitor: den blinkenden Cursor, das kleine klopfende Herz. Ein neues Leben, gerade mal sieben Wochen jung. Einfach atemberaubend großartig. Überwältigend! Momente, die unser Leben auf den Kopf stellten.

Nun bin ich wieder schwanger. Natürlich rief ich, als ich es erfuhr, gleich den werdenden Vater an und erzählte ihm die Neuigkeit. „Nein, echt?“, sagte er lediglich. Und: „Das ist ja toll.“ Dann wollte er noch kurz wissen, ob alles in Ordnung sei mit mir und dem Kind und erklärte, dass er ganz dringend weiterarbeiten müsse. So viel zum einzigartigen Moment der gemeinsamen Freude beim zweiten Kind. Wo blieben denn da bitte die Gefühlssalti, der allgemeine Ausnahmezustand?

Fest steht, zwischen Arbeit, Haushalt und Kind bleibt einfach wenig Zeit, die frohe Botschaft gebührend zu zelebrieren. Es ist eben anders, wenn für das Ultraschallbild nur noch der Moment bleibt, wenn der Partner gerade spät von der Arbeit gekommen und die inzwischen zweijährige Tochter schon vor Müdigkeit quengelig ist oder die Windel voll hat. Gleich in der nächsten freien Minute stellen sich einem die bereits bekannten Fragen: Wer macht wie lange Elternzeit? Wie sind Karrierepläne dabei zu berücksichtigen? Dazu kommen neue Fragen, zum Beispiel: Wie lange hat unsere Tochter Feline nach der Geburt des zweiten Kindes Anspruch auf ihren Kitaplatz? Bis dann endlich mal ein gemeinsames Lächeln, eine Blume auf dem Frühstückstisch von der stillen Freude kündet: Wir bekommen ein weiteres Wunschkind! Die ersten Reaktionen unserer Freunde wirken übrigens auch abgeklärter als zuvor. Sie reichen von einem schlichten: „Herzlichen Glückwunsch!“ über „Schon wieder?“ oder  „O Gott, mir reicht schon das eine Kind.“

Die ersten drei Monate sind so übel wie bei Schwangerschaft Nummer eins. Allerdings: Konnte ich mich das erste Mal in meinem Bett verschanzen und mich meiner brandneuen Fußballbegeisterung hingeben – ich verfolgte viele Spiele der Europameisterschaft 2008 und überraschte meinen Mann mit kompetenten Kommentaren – gibt es diesmal kein Pardon: Ich muss meine Tochter jeden Tag aus der Krippe abholen, sie trösten, bespielen und bespaßen. Ich bin leider ständig müde und zum Toben selten aufgelegt.

Dass man in der zweiten Schwangerschaft keine Zeit mehr für Sorgen hätte, stimmt auch nicht. Denn wenn man schon ein Kind hat, das dazu noch in einer Brutstätte von Bakterien und Viren ein und aus geht (nämlich ihrer Krippe), bekommt die Furcht vor Infektionen eine andere Dimension. Vorsichtshalber trage ich Einmalhandschuhe beim Windelnwechseln. Und wegen eines Verdachts auf Ringel­röteln in der Krippe habe ich sicherheitshalber einen Bluttest machen lassen.

Wenn das zweite Kind kommt, schiebt sich der hektische Alltag mit aller Macht in den Vordergrund und lässt das Wunder vom neuen Leben oft ziemlich blass aussehen. Und doch gibt es sie bei uns, die Freude auf das Geschwisterkind. Sie bricht sich Bahn, sei es beim Ultraschall oder sei es, wenn sich Feline ein Stofftier unter den Pulli schiebt und „Baby drin“ sagt. Und schließlich der ultimative Vorteil einer zweiten Schwangerschaft: Mein Mann und ich treten sie mit der kompletten Baby-Ausstattung und mit einem Haufen hilfreicher Erfahrungen an.

Wenn ich dann abends im Bett liege und meine Tochter selig in ihrem Bettchen schläft, streiche ich glücklich über meinen Bauch und bin ganz bei diesem kleinen, leuchtenden Stern, der immerzu wächst. Ich warte auf den zauberhaften Moment, in dem mein Baby das erste Mal zart, aber unverwechselbar, gegen meine Hand strampelt. Ein gutes Gefühl.

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