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Krankenkassen zahlen nur für verheiratete Paare

Künstliche Befruchtung

Céline Dion hat es getan, auch Angelina Jolie. Ihre Zwillinge sind Ergebnis künstlicher Befruchtung und Ursache allerhöchsten Glücks. Eine künstliche Befruchtung kann die letzte Chance auf ein eigenes Kind sein. Allerdings erhalten nur verheiratete Paare von den gesetzlichen Krankenkassen dafür Geld.

Eine künstliche Befruchtung kann die letzte Chance auf ein eigenes Kind sein. Doch nur verheiratete Paare erhalten von den gesetzlichen Krankenkassen dafür Geld. Das bleibt auch so, hat das Bundessozialgericht jüngst per Urteil entschieden. Seit 2012 stritt die Krankenkasse BKK VBU vor verschiedenen Gerichten. Sie wollte ihren Versicherten eine künstliche Befruchtung ermöglichen - auch denen ohne Trauschein.

Nicht für alle Paare ist es gleich einfach, schwanger zu werden. Während es bei den meisten Paaren etwa innerhalb eines Jahres  zu einer Schwangerschaft kommt, bleibt bei bis zu 20 Prozent der Kinderwunsch bis dahin unerfüllt. Hier kann möglicherweise ein Spezialist helfen. Immerhin fast jedes zehnte Paar benötigt schlussendlich medizinische Unterstützung bei der Familienplanung. Die Wunschkindpraxen boomen.


Nicht schwanger werden zu können, bedeutet meist eine starke emotionale Belastung, vor allem, wenn man ein Kind fest in sein Leben eingeplant hat. Häufig kommen Gefühle des persönlichen Versagens auf, die die Beziehung belasten und zusätzlichen Druck  bei beiden Partnern erzeugen.
Nachdem die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch abgeklärt sind, ist in vielen Fällen eine künstliche Befruchtung, die In-vitro-Fertilisation (IVF), heute eine der besten Möglichkeiten, schwanger zu werden.

Als das erste In-vitro-Baby vor über 30 Jahren auf die Welt kam, war das eine Sensation. Heute wird schon jedes 80. Kind in Deutschland „im Reagenzglas“ gezeugt. Erst letztes Jahr bekam der Entwickler dieser Methode, der Reproduktionsmediziner Robert G. Edwards, den Nobelpreis für Medizin.

Zu Beginn der Behandlung bekommt die Frau Hormone unter die Haut gespritzt. Dadurch wird im weiblichen Körper das Heranreifen von mehr als einer Eizelle provoziert, wie dies im Rahmen eines normalen Zyklus der Fall wäre. Viele Frauen bemerken dies als eine leichte Schwellung des Bauches. Die so herangereiften Eizellen werden unter Narkose entnommen.

Die Samenflüssigkeit des Mannes wird von abgestorbenen, inaktiven Spermien befreit. Die eigentliche Befruchtung findet in einem speziellen „Nährmedium“ statt. Daher bekommt das Verfahren auch seinen Namen „In-vitro Fertilisation“, was auf lateinisch so viel wie „Befruchtung im Glas“ bedeutet.


Um die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Verschmelzung von Samen und Ei zu erhöhen, entnimmt der Arzt gleich mehrere Eizellen. In der Regel werden die Spermien und die Eizelle zusammengebracht und auf eine selbstständige Befruchtung durch die Spermien gewartet. Sollte es Gründe geben, wie eine niedrige Spermienzahl oder eine verringerte Beweglichkeit, wird ein einzelnes Spermium direkt, mittels einer sehr feinen Nadel, in die Eizelle gespritzt. Die Eizellen, die sich erfolgreich teilen, werden zwei bis fünf Tage kultiviert, damit sie sich bis hin zu dem sogenannten Vier-Zell-Stadium entwickeln.

Von den so entstandenen Embryonen werden im Idealfall zwei in die Gebärmutter eingepflanzt. Hierdurch soll die Chance erhöht werden, dass sich zumindest einer der Embryonen in der Gebärmutter einnisten kann und sich dort zu einem lebensfähigen Fötus entwickelt. Mehr Embryonen sollten nur in Ausnahmen und bei vorher gescheiterten In-vitro-Fertilisationsversuchen eingesetzt werden. Es kann nämlich durchaus passieren, dass es zu einer Mehrlingsschwangerschaft kommt. Diese Schwangerschaften sind immer mit mehr Risiken behaftet, wie zum Beispiel einer Frühgeburt mit niedrigem Gewicht der Kleinen.

Nicht zuletzt wurde die Kontroverse über die künstliche Befruchtung durch unseriöse Behandlungsmethoden und der Vernachlässigung von medizin-ethischen Standards angeheizt. Ein Beispiel ist die in den Medien als „Octo-Mom“ bekannt gewordene Mutter, die nach der Implantation von sechs Embryonen, von denen zwei davon zu Zwillingen heranreiften, acht Kinder zur Welt brachte. Hier wurden die Risiken für die Mutter und ihre Kinder billigend in Kauf genommen. Gerade um die Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsschwangerschaften zu reduzieren, werden in Deutschland im Regelfall nicht mehr als zwei Embryonen implantiert.

Die IVF ist auch einem anderen Grund ein ethisch heiß diskutiertes Verfahren. Zum einen aufgrund der Tatsache, dass unter Umständen mehr Embryonen erzeugt werden, als gebraucht werden. Hier bestünde die Möglichkeit, sie einzufrieren und zu lagern. In Deutschland ist das mittels des Embryonenschutzgesetzes jedoch nur im Notfall erlaubt. Daher werden die Eizellen schon kurz nach der Befruchtung eingefroren, und zwar bevor klar ist, ob sich diese in einen lebensfähigen Embryo entwickeln oder nicht. Und aus einem anderen Grund ist das Verfahren in der ethischen Diskussion: Theoretisch ist eine Selektion von Embryonen, auf bestimmte genetische Merkmale hin, möglich – zum Beispiel Erbkrankheiten oder Geschlechtswunsch.

Leider ist die IVF kein Garant bei unerfülltem Kinderwunsch. Die Erfolgsraten schwanken zwischen 20 und 40 Prozent und sind stark abhängig von der Ursache der Unfruchtbarkeit und dem Alter der Mutter. Zurzeit übernehmen die meisten Krankenkassen etwa die Hälfte der Kosten für drei Behandlungszyklen, für den Rest muss das Paar selber aufkommen.


Fabian Morsbach, Cand. Med.

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